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Der Koffer
"Haben wir alles?" Franz wartete ungeduldig. "Nur noch den Fresskorb. Den machen wir am Besten vorne rein. So, es kann losgehen."
"Mami, sind wir gleich da?"
"Wir sind doch gerade erst losgefahren, mein Schatz."
"Mach mir mal ne Zigarette an."
"Muss das jetzt sein?"
"Ja das muss sein. Bitte."
Eine Stunde später am Rastplatz.
"Willst du noch einen Apfel?"
"Ich will noch einen Joghurt."
"Der Joghurt ist alle. Du kannst noch Schokolade haben.
"Aber ich will einen Joghurt." Moni schmollte.
"Lass uns weiter fahren. Du kriegst später deinen Joghurt." Franz schickte sich an, ins Auto zu steigen.
"Ich muss Pipi." "Komm, ich geh mit dir ins Gebüsch." Rita nahm das Mädchen bei der Hand. Inzwischen saß Franz schon im Auto und spielte nervös mit den Fingern am Lenkrad.
"In etwa zweieinhalb Stunden müssten wir da sein." Franz drückte auf`s Gas. "Diese verdammten LKWs. Die blockieren den ganzen Verkehr."
"Du wolltest ja nicht mit dem Zug fahren."
"Mit dem Auto sind wir schneller."
"Lass uns noch mal ne Pause machen. Dort kommt jetzt ein Rastplatz."
"Warum muss dein Bruder aber auch ausgerechnet morgen heiraten. Mitten in der Woche." Franz goss sich Kaffee ein. "Sie wollten halt unbedingt am 08.08. feiern. Das haben wir doch auch gemacht." Aber bei uns fiel das Datum auf ein Wochenende." Rita stöhnte vielsagend.
"Wir haben jetzt den größten Urlaubsverkehr." Er zündete sich eine Zigarette an und blickte genervt auf die Uhr.
"Sieh mal, mein Schatz. Die vielen Kühe."
"Hier stinkt`s."
"Das ist so auf dem Land. Bei uns stinkt es nach Autos."
"Pass auf, dass du die Auffahrt nach Wederath nicht verpasst. Die müsste jetzt kommen."
Franz bog links ein. Noch einen Kilometer. Auf dem Platz neben der Kirche parkte er ein.
Jutta kam herausgelaufen. "Ihr seid ja schnell gewesen. Habt ihr gleich hierher gefunden?"
"Hat alles bestens geklappt, trotz des vielen Verkehrs." Er öffnete den Kofferraum. "Rita hilf mir mal das Gepäck rein tragen." "Das mach ich schon. Rita ruh du dich erst mal aus. Es ist ja nicht viel." Jutta nahm den Kinderkoffer und die Reisetasche.
"Wo ist denn unser Koffer, Rita?" Franz schaute ungläubig. "Na im Kofferraum."
"Da ist er aber nicht. Hast du ihn vielleicht vorne verstaut?" "Nein, er ist hinten." Rita schaute jetzt auch ungläubig in den fast leeren Kofferraum. "Das kann doch nicht sein. Ich bin sicher, dass ich ihn hier rein gemacht habe." Sie schaute hektisch im Auto nach.
"Du warst für das Gepäck verantwortlich. Wenn man nicht alles selber macht… . Was sollen wir denn jetzt anziehen?" Franz war sichtlich ungehalten. Rita war den Tränen nah.
"Macht euch doch wegen des Koffers keinen Stress. Wir haben genügend zum Anziehen." Franz sah Jutta griesgrämig an. Er hatte keine Lust, so ungestylt herumzulaufen, wie Jutta und ihr Verlobter. Auf der anderen Seite hatte er auch nicht groß Lust wegen des blöden Koffers noch mal zurückzufahren.
Am Morgen des darauf folgenden Tages standen Franz in einem viel zu großen Anzug und Rita in einem etwas zu knappen Kostüm in der Kirche und lauschten andächtig der Zeremonie.
© Magdalena Bott

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