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Vom Sinn des Lebens und der Bedeutung von Glück

Ein Mensch wird geboren. Nackt und ungeschützt. Völlig hilflos ist er auf die Fürsorge der Eltern angewiesen. Was hat er in seiner Familie zu erwarten? Wird er liebevoll gepflegt und großgezogen, oder wartet ein hartes Schicksal auf ihn durch Vernachlässigung und Herzlosigkeit? Und wenn ja. Was ist dann der Sinn seines Leidens, bzw. seines Lebens? Ist der Sinn für ihn ein anderer, als für einen Menschen, der wohlbehütet aufgewachsen ist? Oder gibt es einen gemeinsamen Sinn für alle Menschen, die aus unterschiedlichsten Schicksalen hervorgehen?

Ich denke die größte Triebfeder eines Menschen, ist die Suche nach dem Glück, wie auch immer das für den einzelnen aussehen mag. Der eine sucht es im Reichtum, der andere in Bildung oder Macht, oder ganz einfach im inneren Frieden mit sich selbst, in der Familie oder gesellschaftlichem Ansehen.
Ist das Glück der Sinn des Lebens? Oder müssen wir ihn im nachtodlichen Leben suchen, indem wir uns hier auf Erden für ein Leben im Himmel bereit machen? Wenn man alles auf einen Nenner bringt, ob nun hier oder im Jenseits, dahinter steckt doch die Suche nach dem Glück, dem Frieden, der Sorglosigkeit, nach Liebe und Zufriedenheit. Und das höchste Glück liegt darin, alles Erstrebenswerte erreicht zu haben, ein Leben in Fülle, Harmonie und Liebe.
Kann ich es mir also so leicht machen und sagen: Der Sinn des Lebens ist ein Streben nach dem höchstmöglichen Glück. Ich denke schon. Sogar der größte Pessimist versucht noch so angenehm wie möglich zu leben. Allerdings bedeutet Glück für den einen nicht gleich dasselbe Glück wie für den anderen.
Während der vom Schicksal geschlagene Mensch sich glücklich preisen kann, wenn er sein Leid überwunden hat, baut der schon seit jeher mit Glück bedachte Mensch an einem noch größeren Glück. So verschiedenartig die einzelnen Menschen veranlagt und geprägt sind, so unterschiedlich sieht ihr Empfinden für Glück aus. Die wenigsten suchen ihr Glück in immateriellen Bereichen, wie zum Beispiel im Gebet oder der Meditation. Die meisten machen ihr Glück von äußeren Umständen abhängig, von Reichtum oder Ansehen.

Wo liegt nun das wahre Glück? Wahrscheinlich und mit Sicherheit ist das wahre Glück vom inneren Empfinden eines jeden abhängig. So angenehm Reichtum mit all seiner Fülle ist, ein hohes Ansehen in der Gesellschaft. All dies ist vergänglich. Du kannst alles verlieren. Und die äußeren Annehmlichkeiten sind noch lange kein Garant für Glück.
Wenn ich vom wahren Glück rede, meine ich immer das von innen her strömende Glück, das oft sogar noch äußeren Segen nach sich zieht. Innere und äußere Fülle, Harmonie mit sich und dem Nächsten, ein Erfülltsein von Liebe. Das bezeichne ich als das wahre Glück.

Auf welchen Wegen nun ein Mensch zu solch innerem Reichtum gelangt, ist völlig unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen aber allen, dass es ein Hinwenden zum Inneren des Menschen ist, vielleicht sogar ein Hinwenden zu Gott.
Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass religiös veranlagte Menschen eher zufrieden und glücklich sein konnten, als atheistisch oder materiell geprägte. Woran liegt das? Ist das ein Beweis dafür, dass es doch etwas Höheres geben muss, von dem größtes Wohlwollen ausgeht? Mitnichten. Aber es ist zumindest wert beachtet zu werden und hierin Nachforschungen anzustellen. Dabei genügt es nicht, sich im bloßen Philosophieren diesem höheren Wesen zu nähern, denn das bleibt nur eine Kopfgeschichte.
Das Glück findet aber nicht im Kopf statt, sondern im Herzen, in der Seele, und die Seele ist das Vehikel, das das Glück ins Leben transportiert. Doch wie ist diese Seelenarbeit zu bewerkstelligen?
Auf alle Fälle bedarf es eines scharfen Verstandes, der genau einschätzen kann, wo Mangel herrscht und wie dieser zu beheben ist. Dann bedarf es eines gewissen Glaubens, zumindest an die Möglichkeit glücklich werden zu können. Das schließt natürlich Hoffnung mit ein.
Und in dem Maße wie ein Mensch fähig ist sich seelisch zu öffnen, in dem gleichen Maße wird er seine Erfahrungen sammeln und wenn er fähig ist, sich vollends selbst hinzugeben, wird er erfahren, dass es diese höhere Macht gibt, die ihn auffängt und umfängt. In diesem Moment ahnt er die größere Macht und Fülle, die von Gott ausgeht und er wird immer wieder diese Begegnung mit Ihm suchen.
Ein kopflastiger Mensch, der hinter all dem Schein nichts vermutet und das Sein nicht zu Erkennen vermag, wird schwer zu überzeugen sein, dass hinter all dem Treiben eine ewige Harmonie waltet. Denn er wird nicht in der Lage sein, dies mit seiner Seele zu erfassen, weil er keinen Zugang zu ihr hat. Er wird auch nicht zur Hingabe fähig sein. Die Hingabe verlangt Demut und ein sich völliges Fallenlassen, ein Loslassen jeglicher Sicherheit, vor allem ein Loslassen des Verstandes.
Menschen, die nur auf ihren Verstand bauen, übersehen gerne, dass ihnen auch ein Geist innewohnt, der klüger und vernünftiger ist, als so manches Hirn. Die Angst, den Verstand zu verlieren ist groß. Was bleibt von mir übrig, wenn ich nicht mehr denke?

Und gerade im Nichtdenken liegt das Geheimnis, die Essenz des Seins voll wahrzunehmen. Und das scheinbar Paradoxe ist, dass der Verstand sogar schärfer und konzentrierter wird, je öfter man ihn ruhigstellen kann. Menschen, die ihren Verstand nie ausschalten können, leiden oft unter sich selbst. Ein Mensch, der zum Nichtdenken fähig ist, hat gute Chancen zu Frieden und Harmonie zu finden.

Welchen inneren Weg er auch immer beschreiten mag, um zur Ruhe zu finden, letztes Ziel ist immer die Ruhigstellung des Verstandes, die Überwindung des Ego und das Einswerden mit dem AllEinen oder mit sich selbst, falls man nicht an Gott glaubt. Wenn das letzte Ziel auch nur wenige erreichen, lohnt es sich doch auf diesem Weg zu schreiten und sei es nur, um die eigene Situation zu verbessern, mit Problemen besser fertig zu werden und innerlich zu erstarken.
Wenn ein Mensch erst mal eine feste und ruhige Haltung gewonnen hat, kann er wesentlich bessere Entscheidungen fällen, die sein Leben betreffen und auch verantwortungsbewusst handeln. Er wird sein Glück nicht auf dem Unglück anderer aufbauen, sei es aus Egoismus oder Unwissenheit. Denn er wird bei allem einen großen Weitblick haben und andere an seinem Glück teilhaben lassen.
Mir sind bisher nur vereinzelt solcher Glücklichen begegnet. Die meisten wurschteln sich mehr schlecht als recht durch`s Leben und blicken oft nicht weiter über sich hinaus. Alles dreht sich um ihr kleines Ich und vielleicht noch um die eigenen Familie oder Beziehung. Das Gemeinwohl der Gesellschaft kümmert sie wenig, solange sie nicht negativ davon betroffen sind. Solche Kleingeistigkeit führt oft zu sozialem Neid und Unzufriedenheit.

Die wenigsten machen sich wirklich die Mühe, den inneren Weg zu gehen. Sie scheuen die Innenschau, entweder aus Angst oder Bequemlichkeit. Beides sind große Hemmschuhe für den inneren Fortschritt. Ich kann mich selbst auch nicht von Bequemlichkeit freisprechen. Es gehört eine gewisse Disziplin und Konsequenz dazu, diesen inneren Weg zu gehen. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die wenigsten wirklich Disziplin aufweisen können. Es reicht gerade dazu, zur Arbeit zu gehen. Ansonsten sieht es mau aus. Es ist ein Teufelskreislauf.
Die Sinnlosigkeit des Lebens führt zum Gehenlassen und Resignieren, zur Disziplinlosigkeit und das wiederum verursacht ein sinnloses Dasein. Wer sich aber ernsthaft Gedanken über den Sinn des Lebens und des Glücks gemacht hat, wird einsehen, dass ohne Disziplin nichts läuft. Sie ist eine unabdingbare Voraussetzung, das Leben ins Positive zu verwandeln. Aber das Ganze soll noch angenehm sein. Wer sich selbst kasteit, kann irgendwann resignieren und alles schlägt ins Gegenteil um. Rechtes Maß, Geduld und Ausdauer und die Beachtung der vielen kleinen Schritte, die zum Ziel führen, sind notwendig, um sich langsam aber sicher zu verändern. Wie es auch heißt: „Steter Tropfen höhlt den Stein."
Um es kurz zusammenzufassen: „Jeder ist seines Glückes Schmied." Nur durch Eigeninitiative und Arbeit an sich selbst, kann der Mensch zu seinem Glück finden. Alles äußere Glück ist vergänglich. Wer das wirklich in sich aufgenommen hat, wird sich mit Freuden auf den Weg machen und sein Glück in sich zu finden suchen.


© Magdalena Bott
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