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Verantwortlichkeit im Umgang mit Wissen
Welche Verantwortung birgt Wissen in sich?
Kann ich guten Gewissens mein Wissen offenbaren, bzw. muß ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mein Wissen zurückhalte?
Wissen und Wissen sind zweierlei.
Wissen kann sich zum einen auf Erlerntes und Lebenserfahrungen begründen. Dann sprechen wir von einem Wissenden oder einem weisen Menschen. Ein solcher Mensch wird sich selbstverständlich mehr als einmal fragen, ob er sein Wissen demjenigen offenbaren kann oder sollte, der ihn um Rat bittet. Er wird jedesmal von neuem abwägen, wie reif sein Gegenüber ist, um sein Wissen in rechter Weise empfangen und umsetzen zu können.
Er weiß genau, was dem Ratsuchenden fehlt, was er braucht und was gut für ihn ist. Ansonsten wäre er ein Gewissenloser, ein sog. Scharlatan.
Jemand, der sich als Wissender bezeichnet, was schon verdächtig ist, sollte sich auch als ein solcher verhalten. Wenn er Wissen verbreitet, das für andere schadhaft ist, das vielleicht Halbwahrheiten enthält und dadurch verlockend klingt, so ist auch dies ein Gewissenloser.
Solche Fälle hatten wir ja des öfteren in den Medien verfolgen dürfen. Man denke nur an die katastrophalen Folgen einiger Sekten und ihrer Führer, die sich z. B. selbst vernichtet haben.
Abgesehen davon, gibt es auch etliche Einzelfälle, die solchen Scharlatanen, egal auf welchem Gebiet, zum Opfer fielen. Die nun entweder psychisch oder finanziell ruiniert sind.
Ein echter Wissender trägt eine sehr große Verantwortung. Er wird sein Wissen nie einsetzen um andere an sich zu binden oder in irgend einer Form abhängig zu machen. Er wird mit bestem Wissen und Gewissen handeln und nicht gegen die ethischen Werte eines Mitmenschen verstoßen. Vielmehr wird ein echter Wissender seinen Schüler dorthin führen wollen, dass dieser seinen Lehrer noch übertrifft.
Dem Wissen eines Weisen stelle ich nun das Wissen eines erfahrenen Arbeiters gegenüber und das Wissen eines Menschen, der von einem Verbrechen weiß.
Bei beiden sollte das schlechte Gewissen anschlagen, wenn sie ihr Wissen, einmal dem Lehrling oder Anzulernenden, bzw. der Polizei vorenthalten.
Der erfahrene Arbeiter, der aus Machtdenken heraus, oder aus Angst vor Konkurrenz sein Wissen absichtlich dem Anzulernenden zurückhält, handelt unkollegial und unsozial. Leider findet sich dieses Phänomen recht oft und nicht nur am Arbeitsplatz. Das kann genauso gut eine Fahrschule betreffen, die Stunden herausschinden will, indem sie den Fahrschüler hinhält mit dem Wissen, wie man ein Auto richtig zu fahren hat. Dergleichen Beispiele gibt es bestimmt noch mehr. In all den Fällen geht es entweder um Macht oder Geld.
Ein Mensch, der von einem Verbrechen weiß und aus Angst oder Feigheit sein Wissen zurückhält, wird in ständigem Konflikt mit seinem schlechten Gewissen leben müssen. Wenn es jemand ist, der dafür bezahlt wurde zu schweigen, wird dieser, je nachdem wie hartgesotten er ist, entweder auch mit einem schlechten Gewissen leben oder es abzutöten versuchen, indem er sich vormacht, dass das Geld doch das Verlockendere ist.
Ich habe das Wort abtöten gebraucht. Denn ein Gewissen kann völlig zum Schweigen gebracht werden. Jemand, der ständig gegen sein besseres Wissen und Gewissen handelt, tötet es irgendwann ab. Dann schweigt es ganz. Auch hierfür gibt es genügend Beispiele aus der Geschichte und Politik.
Ein sog. Gewissenloser hat sich den natürlichen Zugang zum Lebendigen in sich versperrt.
Er wird immer eine Neigung zum Zerstörerischen, Negativen, Nekrophilen aufweisen.
Kann ein Gewissen, dass völlig verstummt ist, wieder belebt werden?
Ich bin mir sicher, dass dies möglich ist. Wahrscheinlich braucht es dafür ein einschneidendes Schlüsselerlebnis, das die Sensibilität des Betroffenen anspricht. Das kann entweder ein traumatisches Erlebnis im negativen oder z. B. eine Liebe im angenehmen Falle sein.
Wahrscheinlicher ist eher das erstere, da der Betroffene so negativ programmiert ist, dass er voraussichtlich einen Schicksalsschlag erleiden muß, um noch mal sensibilisiert zu werden.
Wissen und Gewissen sind eng miteinander verknüpfte Begriffe. Der erste schließt den zweiten in irgendeiner Form immer mit ein.
Mit Wissen, egal um welches Wissen es sich handelt, sollte in Absprache mit dem Gewissen, vorsichtig umgegangen werden.
Ist doch ein gutes Gewissen immer noch das beste Ruhekissen.
© Magdalena Bott

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