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Zen in der Kunst, die Zeit richtig zu nutzen
Als Neugeborene sind wir schon dem Alter und Leid unterworfen. Kinder und Jugendliche sind sich nicht unbedingt der Vergänglichkeit bewusst. Sie leben, spielen und genießen weitgehend. Erst wenn wir älter werden, wird uns die Vergänglichkeit der Zeit und überhaupt die Zeit und ihre Phänomene bewusst. Dann planen wir vielleicht genau, wie wir sie einteilen, beschweren uns über zuwenig oder zuviel davon und versuchen sie entweder totzuschlagen oder kreativ zu nutzen. Es gibt wohl kaum jemand, der das Problem der Zeit in die eine oder andere Richtung nicht kennt. Schließlich werden wir alt und müssen irgendwann sterben. Spätestens dann wird uns eventuell bewusst, was wir aus unserem Leben gemacht, bzw. nicht gemacht haben und die große Reue tritt ein über Verpasstes oder nicht Gelebtes.
Egal in welchem Lebensabschnitt wir uns befinden, ob wir arbeiten, eine Partnerschaft haben oder auch nicht, empfinden wir wahrscheinlich alle die Zeit als kostbares Gut und entweder geizen wir mit ihr oder scheinen zuviel davon zu haben, so dass wir nicht wissen, wie wir sie nutzen sollen. Wer aufmerksam ist in seinem Tun, wird keine Probleme mit zuviel oder zuwenig Zeit haben. Im Gegenteil, er hat genug Zeit zum intensiven Leben, egal wie viel ihm davon zur Verfügung steht. Denn bewusstes, langsames und bedachtsames Handeln bringt Ruhe in den Geist und ins Leben. Der bewusst gelebte Augenblick und wenn er noch so kurz sein mag, kann dann wie eine Ewigkeit währen, bzw. Zeiten die sonst als unangenehm lang empfunden wurden, können sehr kurz wirken, wenn man aufmerksam bei der Sache ist.
Das Geheimnis der kreativ genutzten Zeit ist einfach gelebte Aufmerksamkeit.
Ob ich jetzt eine Zigarette rauche und sonst nichts tue, dies aber bewusst, ob ich eine Mahlzeit zubereite, am Essen bin oder einfach nur dasitze. Solange alles mit bewusster Aufmerksamkeit geschieht, ist es keine Zeitvergeudung und kann äußerst kreativ sein. Ein aufmerksamer Spaziergang durch die Natur, Arbeit, die aufmerksam bewältigt wird, ein Gespräch oder ein Hobby, dem mit Liebe nachgegangen wird. Dies alles liebevoll bewusst praktiziert, bereichert nicht nur das Leben, es erfüllt es auch mit Sinn, nach dem im Grunde dann gar nicht mehr gefragt werden muss. Denn wenn man trinkt, trinkt man, wenn man isst, isst man und wenn man geht, geht man. Und es wird nicht nach dem danach gefragt, weil die ganze Aufmerksamkeit im Istzustand konzentriert ist. Das ist gelebte Meditation. Sich immer wieder in Gedanken auf das momentane Tun oder Nichttun zurückholen, aufmerksam den Augenblick erleben, das ist kreatives bewusstes Nutzen der Zeit. Das ist Leben.
Man kann sofort damit beginnen und muss nicht erst auf einen Guru warten oder auf den rechten Moment. Warten gibt es dann nicht mehr, weil jede Sekunde gelebt wird. Vieles, was uns sonst als unangenehm erschien, z. B. im Wartezimmer eines Arztes zu sitzen oder an einer Bushaltestelle zu stehen, wird jetzt als lebendig empfunden. So genannte Leerzeiten oder vergeudete Zeit gibt es nicht mehr. Wir leben den Moment. Wer sich darin mal einen Tag versuchen will, wird schnell an seine Grenzen stoßen, denn wie schnell driften wir mit der Aufmerksamkeit schon zum Nächsten, das erledigt werden will, oder sind auch sonst nicht bei der Sache. In einem solchen Fall ist es hilfreich, sich kleine Stützen zu geben, in dem man z.B. Zettel an die Schränke hängt mit den Worten: Sei ganz bewusst in deinem Tun; oder: bleibe bei dem, was du gerade machst. Denn wir müssen immer wieder zurückgeholt werden, da die Aufmerksamkeit ständig abschweifen will. Hierbei ist der Weg das Ziel. Und das ist direkt erreicht, wenn es gelingt, in Meditation zu leben. Im Nu kann sich Samadhi (eine Art der Erleuchtung, in der das diskursive Denken aufhört) einstellen und wenn es nur für einen Bruchteil einer Sekunde ist.
Wer meditativ lebt, lebt bewusst. Er sucht nicht mehr nach dem Sinn des Lebens. Er lebt.
© Magdalena Bott

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